1. August Ansprache Riederalp
- vor 5 Tagen
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Simon Rauber, 01.08.2026

Hallo Zusammen.
Schon etwas seltsam
oder, Jüngere würden sagen, schon etwas „random“, dass ich hier die 1. August Ansprache halte.
Ich bin 26, „üsserschwizer“ und engagiere mich für die Gemeindepolitik.
Gemeindepolitik ... Das hört sich ein wenig langweilig oder eben "lame" an,
aber man kann es auch anders formulieren.
Ich engagiere mich für die Demokratie,
für einen gemeinschaftlichen Zusammenhalt und für die Schweiz.
Und nun ist es schon weniger "lame"
... ist aber dasselbe!
Und um diese Perspektive geht es in den nächsten 5min
und passt auch gut zum 1. August, unserem Nationalfeiertag.
Ich möchte kurz in die Runde fragen: Wer von euch wohnt auf der Riederalp?
Dürft gerne kurz die Hand hochhalten, wenn das auf euch zutrifft.
Wer hat in den letzten Wochen die Nachrichten gelesen?
Wer von euch hat in den letzten Wochen den Namen Trump oder Putin gehört?
Ich weiss nicht, wie es euch geht,
aber wenn ich solche Nachrichten sehe, bin ich jedes Mal froh um unsere Demokratie.
Denn wenn wir ins Ausland schauen, sehen wir oft eine Gesellschaft,
die doch relativ stark auseinanderdriftet.
Dafür müssen wir gar nicht bis nach Russland schauen.
Ein Blick nach Deutschland,
Frankreich
oder Italien reicht schon.
Klar bei uns gibt es auch Gegensätze
zwischen Bergregionen und Grossstädten
zwischen Wolf-Befürwortern und Wolf-Gegnern
zwischen Wallisern und "Üsserschwizer"
Gegensätze und unterschiedliche Haltungen gehören für die Diskussion in der Schweiz dazu,
wir müssen aber alles daransetzen,
aufeinander zuzugehen,
miteinander zu sprechen.
Lösungen für alle zu suchen.
Wir dürfen nicht den einfachen Weg gehen und der Polarisierung verfallen,
sondern den etwas schwierigeren Weg,
in dem wir streiten,
diskutieren
und schlussendlich Kompromisse finden.
Ich bin aber optimistisch, dass wir das in der Schweiz schaffen
und ein Grund, der mich optimistisch stimmt, ist die Gemeindepolitik.
Denn Demokratie beginnt nicht in Bern
sie beginnt in der Gemeinde, beispielsweise hier auf der Riederalp.
Hier wird entschieden, ob der Konsum-Laden finanziell unterstützt wird,
ob Gebühren angepasst werden
oder welche touristische Stossrichtung die Destination künftig einschlagen soll.
Hier wird über den Aufbau eines eigenen Werkhofs diskutiert
oder gemeinsam mit den Nachbargemeinden im Bezirk über mögliche Fusionen gesprochen.
Es werden über Themen diskutiert, die uns alle direkt betreffen.
Auf dieser Ebene geht es viel weniger um Parteipolitik.
Es geht darum, was für das Dorf die beste Lösung ist.
Wir haben hierzulande ein System,
das es in dieser Ausgeprägtheit fast nirgendwo sonst gibt:
das Milizsystem.
Menschen, die neben ihrem Job,
neben der Ausbildung,
neben der Familie,
Verantwortung übernehmen für ihre Gemeinde.
Ohne grosses Gehalt,
einfach weil ihnen das Zusammenleben in der Gemeinde wichtig ist
und die Demokratie leben, die die Schweiz ausmacht.
An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an
Katharina, Tatjana, Dagmar, Aureus und Martin.
Aber -
und das ist der Punkt, weshalb ich heute hier stehe -
dieses System ist am Kippen.
Viele Gemeinden finden kaum mehr Leute für den Gemeinderat.
Mehr als die Hälfte der Gemeinden in der Schweiz bekunden Probleme, die Ämter zu besetzen.
Das Durchschnittsalter der Gemeinderäte ist 54 Jahre und nur 18% sind jünger als 45.
Das heisst im Klartext: Die Generation, die diese Gemeinde in 20 Jahren noch bewohnen wird,
sitzt heute kaum am Tisch,
wenn über sie entschieden wird.
Und damit kurz zu mir.
Ich bin Simon und habe den Verein „Generation Gemeinderat“ mitgegründet.
Wir setzen uns dafür ein, Nachwuchs für Gemeinderäte zu fördern
und Gemeindepolitik niederschwelliger zu machen.
Hierfür sind folgende Dinge wichtig:
Eine Fehlerkultur pflegen und echte Wertschätzung zeigen für die Arbeit, die geleistet wird.
Miliz heisst nicht perfekt,
Miliz heisst Menschen, die Gemeindepolitik neben allem anderen machen,
und das immer mit dem Wohlwollen für alle,
und das verdient Respekt.
Zweitens:
Unbedingt immer wieder gezielt junge Menschen ansprechen.
Nicht einmal, Nicht zweimal
sondern immer wieder.
Ihnen aufzeigen, dass ihre Stimme,
ihre Zeit,
ihre Energie
in der Gemeinde wertvoll ist
und gebraucht wird.
Und drittens,
und das richtet sich an uns alle:
Geht in die Gemeindepolitik.
Geht an Gemeindeversammlungen.
Lasst euch für eine Kommission aufstellen.
Nur so kann die Gemeinde die Kompetenzen behalten, die sie heute noch hat.
Denn wir wissen alle:
Es sind die Menschen, die an einem Ort wohnen, die diesen Ort ausmachen
und die am besten wissen,
was er braucht.
Ich kann das auch aus eigener Erfahrung sagen:
Es gibt viele gute Gründe, sich in der Gemeindepolitik zu engagieren.
Erstens:
Man lernt unglaublich viel.
In der Gemeindepolitik lernt man
zu verhandeln,
zu argumentieren,
vor Publikum zu sprechen,
Budgets zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Das sind Fähigkeiten, die weit über die Politik hinaus nützlich sind
– im Beruf und im Alltag.
Oft ergeben sich Chancen, mit denen man vorher gar nicht gerechnet hätte.
Ich hätte zum Beispiel nie gedacht,
dass ich einmal die 1.-August-Ansprache auf der Riederalp halten würde.
Zweitens:
Man kann ganz konkret etwas bewirken.
Ob Spielplätze,
Wanderwege,
die Wasserversorgung
oder der öffentliche Verkehr.
Wer sich engagiert, sieht oft direkt, was daraus entsteht.
Und drittens:
Es macht Sinn.
Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen.
Gerade junge Menschen bringen
neue Ideen und eine wichtige Perspektiven ein.
Wenn sich niemand engagiert,
entscheiden immer weniger über immer mehr.
Wenn sich viele einbringen, bleibt die Gemeinde lebendig
– und damit auch unsere Demokratie.
Um wieder auf den Anfang zurückzukommen.
Gemeindepolitik ist der Grundstein für unsere Demokratie
und die Chance, diese auch zu behalten.
Gerade in den Zeiten, in denen wir leben
ist das zentral!
Und das ist ein Grund, warum wir heute den 1. August feiern.
In diesem Sinne wünsche ich uns/euch allen eine gute Zeit
und um kurz nach 21:15 einen schönen Lampionumzug.
Merci!





